Ich feiere mein Weihnachten, feiere du deins!

von | Dez 15, 2023 | Gedanken und Persönliches | 2 Kommentare

Cindy Seidler und ihre Edukibuddies, denen ich mich von Herzen verschrieben habe, wollten es dieses Jahr etwas gelassener in der Vorweihnachtszeit angehen lassen. Schaut gerne auf der Seite vorbei, so viele schöne und entspannte Ideen für die Vorweihnachtszeit. In diesem Rahmen ist dieser Blogbeitrag entstanden. ❤

Ich habe wirklich lange überlegt, was ich hier an dieser Stelle schreiben könnte, was nicht schon tausend Mal geschrieben wurde. Es gibt wahrscheinlich nichts, was du nicht schon einmal gehört hast, aber vielleicht kann ich dich, an der ein oder anderen Stelle, zum Nachdenken anregen.

So WAR mein Weihnachten früher…

Ich bin in Deutschland aufgewachsen, mit Eltern, die das auch sind, mit Großeltern, die eine Flüchtlingsgeschichte haben. Ich bin in der ehemaligen DDR geboren. Als ich in der 2. Klasse war fiel die Mauer. Das sind alles Begebenheiten, die mich geprägt haben. Meine Eltern haben ihr Bild von Weihnachten an mich weitergegeben. So weit, so normal, denke ich.

Es gab den Adventskalender, Nikolaus, Heiligabend mit einem Abendspaziergang und Geschenken vom Weihnachtsmann, manchmal das Krippenspiel in der Kirche, Hefeklöße mit Ente zum 1. Weihnachtsfeiertag bei der einen Oma und etwas anderes, nicht weniger lecker und aufwändig, am zweiten Weihnachtsfeiertag bei der anderen Oma und dann war Weihnachten vorbei. Fertig!

Wenn das eigene Leben beginnt…

Anfang des Jahrtausends (Das klingt, als wäre ich schon 80 oder so.🫣) habe ich meinen Mann kennengelernt und später Kinder mit ihm bekommen.

Noch ohne Kinder stellte sich mir die Frage nie, wie ignorant aus heutiger Perspektive, wie wir Weihnachten feiern wollen. Für mich war völlig klar, wir fahren zu meinen Eltern oder meiner Tante oder meinen Großeltern und verbringen Weihnachten dort. Unsere Wohnung damals war eh zu klein.

Weihnachten ohne den Rest meiner (!) Familie? Damals: No go!

Dann kamen die Kinder. Zunächst waren die Kinder mini, wir haben die Traditionen meiner Familie also einfach fortgeführt.

Einen Unterschied gab es jedoch, denn mein Mann feiert keinen Heiligabend, sondern der 25. Dezember ist sein Weihnachten. Jetzt mit Kindern wurde das irgendwie relevant. Am 26. ging er früher mit Freunden an den Strand. Das war schon einmal etwas, was ich mir gar nicht vorstellen konnte, hab ich ja auch nie erlebt. Eine Lösung musste her.

…mit ersten Änderungen im Plan.

Wir haben als ersten Schritt zu unserem Weihnachten also entschieden, einfach zwei Mal Weihnachten zu feiern. Die Kinder fanden es gut. Ansonsten, da wir noch in Deutschland gelebt haben, blieb alles beim Alten. Familienbesuch mal hier, mal da und alle zusammen – so weit es organisatorisch möglich war. Wir waren fast immer unterwegs zur Familie.

Enttäuschungen gab es natürlich auch und manchmal glich das alte Weihnachten doch eher einem Warenaustausch; vor allem als ich selbst bereits Erwachsene war. Schenken, nur weil Weihnachten ist, macht das Schenken anstrengend und nimmt mir die Freude daran, denn ich möchte etwas schenken, was der Person gefällt.

Das klingt vermutlich undankbar, das bin ich wirklich nicht, aber so ganz richtig für uns fühlte es sich so nicht mehr an.

Umzug ins Ausland

Als meine Große 6 Jahre alt war, sind wir, bedingt durch die Arbeit meines Mannes, nach Norwegen gezogen. Ihre beiden Geschwister waren 3 Jahre und 9 Monate alt. Dann 2,5 Jahre später zogen wir nach Argentinien und letztes Jahr, inzwischen mit 4 Kindern, sind wir nach Ägypten gezogen.

Weihnachten verändert sich seitdem stetig, sind wir doch nie an ein und demselben Ort. Noch in Norwegen sind wir jedes Jahr zu Weihnachten nach Deutschland gefahren. In Argentinien haben wir es versucht, aber das war schon eine andere Hausnummer und plötzlich hatten wir zwei Mal Winter. Das war blöd. Covid-19 hat uns die Entscheidung ein wenig abgenommen, so dass wir auch mal länger im Ausland blieben und Weihnachten als Kernfamilie feierten.

Altes loslassen und neues entwickeln

In all den Jahren haben wir unser Weihnachten immer weiter abgespeckt und an uns angepasst:

  • Die Deko (die einfach nicht da war, wo wir waren, weil wir sie damals in Deutschland gelassen haben. Neu kaufen schien uns nicht nachhaltig.),
  • die Mahlzeiten (wir essen auch mal Pizza an Heiligabend, weil wir es uns leicht machen wollen),
  • den Adventskalender (daran arbeite ich noch, wenn ich ehrlich bin),
  • das ganze Drumherum. Wir haben viele Glaubenssätze losgelassen.
  • die Geschenke (etwas für die Verwandtschaft in Deutschland zu finden, fiel mir nie leicht. Ich kann aber auch nicht ein Jahr oder länger im Voraus planen, also kommen die Geschenke mit der Post, wenn ich dran denke und etwas gefunden habe, oder nicht.) Die Kinder haben immer etwas bekommen, aber es war nicht immer so einfach, denn man bezahlt Einfuhrgebühren auf viele Produkte oder sie sind zum Beispiel auf Englisch und eben nicht auf Deutsch… (Aber das ist auch noch einmal ein anderer Artikel möglicherweise..)

So eine richtige Tradition haben wir eigentlich noch immer nicht gefunden, obwohl meine Große inzwischen 13 Jahre alt ist. Aber muss das sein? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Können sie glücklich sein auch ohne diese Tradition? Wissen sie, wer sie sind, auch ohne diese Traditionen?

Eine niederländische Lehrkraft brachte mich vor zwei Wochen auf einen anderen Gedanken: es gibt ihnen Sicherheit. Aber was genau gibt ihnen Sicherheit?

Ich habe schöne Erinnerungen an die Weihnachtszeit mit all ihren Traditionen, aber mit den Jahren und den weiteren Kindern wurde mir das zu eng und zu anstrengend. Als Kind, dies zu empfangen ist ganz anders als es im Erwachsenenalter zu initiieren und zu planen. Es passte einfach nicht mehr so richtig zu unserer Familie und unserer Situation – naja, vor allem zu mir und meinen Ressourcen, da ich es oft in die Hand genommen habe.

Was gehört zu Weihnachten?

An dieser Stelle möchte ich dich fragen, was macht für dich das Gefühl von Weihnachten aus? Hast du darüber schon einmal nachgedacht? Was, wenn es plötzlich nicht mehr so geht wie du es gewohnt bist?

Bei mir sind es sicher auch die Kindheitserinnerungen, die mein positives Gefühl für Weihnachten ausmachen. Ich habe aber auch immer die Anstrengungen der Erwachsenen dahinter gesehen und den Stress, den es verursacht hat, diesen ganzen Traditionen zu folgen; zumindest als Teenager, denn da wurde ich eingebunden.

Eine Nachricht aus Deutschland schockte mich damals, als wir in Argentinien geblieben sind und nicht nach Deutschland flogen, um dort Weihnachten zu verbringen. (Good to know…In Argentinien ist im Dezember Sommer, da es sich auf der Südhalbkugel befindet.)

“Weihnachten ohne Schnee? Ich könnte das nicht!”

eine Bekannte

Ja, hatte ich denn eine Wahl? Erstmal nicht, dachte ich, und merkte dann, dass ich eigentlich Glück hatte, es mal zu erfahren, denn neugierig war ich wohl…

Offen sein für Unbekanntes

Ich frage mich, wie kann Schnee zu Weihnachten gehören? Ist es kein Weihnachten mehr ohne Schnee? Ist mein Weihnachten ohne einen echten Baum weniger wert? Er wächst einfach nicht so gut bei 30 Grad. Ist es dann weniger Weihnachten? Feiern Menschen in diesen Ländern kein “richtiges” Weihnachten?

Ich für mich empfinde diese Denkweise als sehr eingeschränkt und weltfremd. Sie gibt so wenig Möglichkeit, eigene Wege zu gehen und auf die Umstände zu reagieren. Ich bin auch der Meinung dazu gehört, davon auszugehen, dass jeder Mensch auf diesem Planeten überhaupt Weihnachten feiert. Meine erste Frage in diesen Zeiten ist oft “Feierst du Weihnachten?” bevor ich mich für das “Wie?” interessiere.

Das alles musste ich erst lernen und ich bin tatsächlich in dieser Hinsicht unendlich dankbar für die Möglichkeit, meinen Horizont zu erweitern und zu lernen, dass meine Wahrheit nicht die Wahrheit jedes Menschen ist. Das gilt natürlich auch umgekehrt!

Auch dieses Jahr wird Weihnachten wieder anders sein, aber davon gerne ein anderes Mal. Spoiler: Es macht sich bemerkbar, wenn die Kinder schon etwas älter sind. Unser Weihnachten 2023 wurde dann doch ganz anders als erwartet. Lies dazu gerne hier.

Was brauchst du an Weihnachten und in der Adventszeit? Was sind deine Nice-to-haves? Gibt es etwas, was du dieses Jahr zum erstem Mal loslassen kannst?

 

Ich helfe deutschsprachigen Eltern, in die Umsetzung zu kommen und ihre Muttersprache ohne Zwang an ihre Kinder weiterzugeben.

 

Du willst mehr lesen? Dann schau mal hier!

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Heute heißt es wieder „12 von 12“, der großartigen Blogparade von Draußen nur Kännchen. Einmal im Monat nehme ich dich mit in Teile meines Alltags... #1 Die Sonne geht auf. Es ist 5.54 Uhr 😭 #2 ...wenige Minuten später: Das ist ein Sonnenaufgang! #3 Rollläden...

Fun Facts über mich

Fun Facts über mich

Ich bin im Osten Deutschlands (DDR) geboren, als die Mauer noch stand. Ich habe 4 Kinder. Die Älteste und der Jüngste sind fast genau 9 Jahre auseinander. Mein Jüngster ist in Argentinien geboren worden. Ich habe noch im Studium geheiratet, aber unser erstes Kind kam...

2 Kommentare

  1. Oh, jetzt bin ich aber doch gespannt, was ihr dieses Jahr treibt :-).
    Wir feiern mit unseren Eltern. Da wir uns eh nicht so oft sehen, ist mir das wichtig – weniger wegen Weihnachten an sich, sondern einfach, um mal wieder beisammen zu sein :).

    Antworten
    • Der zweite Teil ist schon in Arbeit 🥳.
      Ja, ich kann das total verstehen. Ich wünsche euch schöne Begegnungen.❤

      Antworten

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